Telluria

Telluria

Thorsten van Bokhoven

In seinem als Opus Magnum gefeierten Werk Telluria erzählt Vladimir Sorokin 50 kleine Geschichten aus einer nicht allzu fernen Zukunft, in der Eurasien in Kleinstaaten zerfallen ist und sich vieles, letztlich fast alles, um die Droge Tellur dreht. Diese wird zu Nägeln geformt und dem Anwender von speziell geschulten Zimmerleuten in den Schädel gehämmert. Trotz dieser drastischen Applikationsform und eines gewissen Sterberisikos sind sich alle einig, daß sich die Sache lohnt.
Handlung und Spannungsbogen sucht man in diesem Buch vergebens, und trotzdem setzt sich von Kapitel zu Kapitel ein immer klareres Bild dieser seltsamen zukünftigen Welt zusammen. Das Geschehen und die Ereignisse in den einzelnen Kapiteln haben nur wenig Berührungspunkte, dafür ist jedes in einem anderen literarischen Stil geschrieben – passend zu den jeweiligen Protagonisten und deren Tun. Die stilistische Vielfalt und Metaphernfülle dieses Buches hätte meinen Deutschlehrer in der Oberstufe zweifellos in höchste Erregung versetzt, wobei definitiv einiges an Sprachwitz bei der Übersetzung verlorenging.
Viele der von Sorokin entworfenen Szenarien und der sie bevölkernden Wesen, hätten Material für wesentlich längere Geschichten geboten und lassen den Leser mit dem Wunsch zurück, mehr über die jeweiligen „Kleinen“ und Riesen, über Mensch-Tier-Mischwesen und „Gemächte“ zu erfahren.

Telluria
Vladimir Sorokin
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2015
Gebunden, 416 Seiten
ISBN 9783462048117