Schrei wenn du verstehst

Schrei wenn du verstehst

Hans Christian Hinne

In Form einer Autobiographie beschreibt die Autorin Anette Hofmann reflektierend ihren Lebensweg – mit und ohne Drogen. Ihre Kindheit in Bayern war durch Lieblosigkeit und Übergriffe geprägt, der weitere Weg im Mädcheninternat bei Ordensschwestern hinterließ bis auf ein gutes Maß an Disziplin ebenfalls Narben in der Kinderseele, und so war die Flucht in die Gefühlslosigkeit vieler Drogenexzesse geebnet.
Sie beschreibt auffallend neutral, ohne direkt zu bewerten, viele Umstände derart, daß der Leser gut in die Situationen einsteigen kann. Das Buch ist nicht sehr umfangreich, gibt aber einen authentischen Einblick in die Strenge und Angst im Elternhaus, den vom Krieg gezeichneten Opa, die hilflose Mutter u.v.m. Genauso bekommen Parties, Kneipen, Junkie-Bekanntschaften, vielseitiger Drogenkonsum, Freunde und Liebschaften ein reales Gesicht. Trotz Zeitsprüngen und hakenschlagender Erzählweise, die Rausch und Trauma gut repräsentiert, fügt sich alles zu einem stimmigen Werk.
Es wird klar, daß es nichts bringt, Drogenkonsumenten zu verurteilen, aber ebenfalls höchste Vorsicht in diesem Feld geboten ist. Der Anhang ergänzt die Biographie noch mit Tips zum Drogengebrauch, zur Nachsorge und Hinweisen zu verschiedenen Drogen und deren Streckmitteln, Erste-Hilfe u.v.m.
Ein hilfreiches Buch, das eine Brücke von der alltäglich-konservativen zur sensibel-überforderten Seite baut.

Schrei wenn du verstehst
Mein Weg mit und ohne Drogen
Anette Hofmann
Verrai Verlag, 1. Auflage 2018
211 S., Taschenbuch
ISBN: 978-3-946834-60-1